Börsenspekulation, Poker & Kapitalismus

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Goldman-Sachs und der Hochfrequenzhandel

Traden, Traden, Traden… die Sucht nach dem schnellen Geld, ganz wie beim Pokern und strategisch ziemlich gleich aufgebaut: Geduld und zur richtigen Zeit „All-In“! Aber selbst bei sicheren Blättern kann man ganz schnell mal alles verlieren. Mit ein bisschen Marktkenntnis (Wahrscheinlichkeitsrechnung) kann man das Risiko minimieren, aber nicht völlig auslöschen. Außer man ist ein Falschspieler, die hätten Sie früher am Tisch einfach erschossen.

Apropos Falschspieler…, Goldman-Sachs scheint nach neuesten Meldungen einer zu sein. Goldman war bis zum Herbst 2008 eine Investmentbank, dann wurde sie über Nacht in eine Geschäftsbank umgewandelt, um an staatliche Gelder zu kommen, was praktisch zinsloses Geld von der FED bedeutet, um damit spekulieren zu können. Noch vor Kurzem saß Goldman Sachs im US-Kongress auf dem heißen Stuhl und musste zum Vorwurf des Betrugs beim Verkauf komplizierter Finanzprodukte namens »synthetische CDOs« Rede und Antwort stehen. Der Kongress lies es schlussendlich sein, sich mit den Banken anzulegen. Als Goldman vor den Kongress und die SEC zur Anhörung gebeten wurde, verschärfte sich nämlich umgehend die Griechenland-Krise. Fast schon wie gewollt, dass die Aufmerksamkeit auf diesen gefährlichen Krisenherd gezogen wurde. Griechenland erscheint wie eine Geisel, die die Entführer erschießen, um zu beweisen, dass sie es ernst meinen.

Im Fall Griechenland kreisten die Spekulantengeier um den griechischen Anleihemarkt, spielten gegen den Staatsbankrott und wetteten gegen den Euro. Nachdem die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds gerade Finanzspritzen von 120 Milliarden Euro versprochen hatten, gingen die Ratings privater Agenturen runter, um dramatischen Aufstieg oder Absturz bei Aktien oder Anleihen zu führen, was extreme Reaktionen an der Börse verursachte. Plötzlich verlor der Dow Jones am US-Aktienmarkt innerhalb einer halben Stunde 800 Punkte und machte auf einmal zwei Drittel des Verlusts wieder wett. Es schien nach eindeutiger Marktmanipulation.

Manipulation? Durch wen? Die Manipulation ist mit Hochfrequenzhandel (HTF) zu erklären, wie Goldman Sachs mit seiner Tradingabteilung mindestens 100 Millionen Dollar pro Tag verdient. Es ist eine leichte Übung, wenn man den anderen Spielern in die Karten schauen kann.
Goldman Sachs ist bei der Spielcasino-Technologie „Hochfrequenzhandels-Programme (HTF)“ der unbestrittene Spitzenreiter. Matt Taibbi unterstellt Sachs jede einzelne Marktmanipulation seit der Großen Depression eingefädelt zu haben.

Natürlich wird er nicht belangt! Goldman und die Wall Street regieren! Der Kongress scheint nicht in der Lage zu sein, die großen Banken an die Kette zu legen, genauso wie die Europäische Zentralbank nicht in der Lage zu sein scheint, den Zusammenbruch der Europäischen Union zu verhindern. Die EZB kauft nun doch Staatsanleihen. Ganz im Sinne der FED wird nun Geld gedruckt, was keinen Gegenwert besitzt. Dafür gibt’s die »Nuclear Option«: die Schulden Griechenlands und anderer hochverschuldeter Länder auszugleichen, indem man Geld druckt und die Staatsanleihen zu sehr niedrigem Zinssatz selbst aufkauft. Da können dann wenigstens keine Spekulanten mitpokern.

Wall-Street-Experte Max Keiser, der als Trader und Broker an der Wallstreet agierte und ausstieg, meint: “Die Bankelite betrügt – diese Leute sind Gangster!“ – „Der Kapitalismus der freien Märkte hat sich zu einem Kapitalismus der manipulierten Märkte entwickelt. Alle Märkte würden heute zugunsten privater Gewinne manipuliert.“ Das ist keine Mutmaßung, denn Keiser hat nach seinen Angaben ein Computerprogramm entwickelt, dass eigentlich Manipulation der Märkte verhindern sollte, doch das Programm wurde zu einem automatisierten Handelsprogramm, die den Interessenkonflikt von Käufer und Verkäufer sogar besänftigt.

High Frequency Trading, kurz HFT (Hochfrequenzhandel), nutzt Algorithmen, um in kürzester Zeit große Datenmengen zu analysieren und Transaktionen durchzuführen. Wie der Online-Pokerspieler heimlich mit einem Programm die Karten des Gegners sieht, um so riesigen Profit zu versprechen.

Laut Keiser stellt das HFT inzwischen das Hauptgeschäft der Wall Street dar. Durch HFT wird nicht nur ein großer Teil der Handelsgewinne erzielt, es ermöglicht auch die Manipulation der Märkte zu wirtschaftlichen und politischen Zwecken – ein virtueller Aktienmakler also.

Schon nach kurzer Zeit dominierte HFT die Börsen. 73 Prozent der Aktiengeschäfte in den USA werden mittlerweile von Hochfrequenzhandelsfirmen getätigt. 1998 hat die SEC elektronische Online-Kommunikationsplattformen oder alternative Handelssysteme als vollgültige Aktienbörsen zugelassen. Alternative Handelsplattformen oder -systeme (ATS) sind computerautomatisierte, orderangepasste Systeme, die börsenähnliche Handelsmöglichkeiten zu geringeren Kosten bieten. So kann jeder private Börsenpokerspieler dies auch benutzen.

Eigentlich mal dazu gedacht Transparenz in den Markt zu bringen, wurden Sie zu einer Art Pokerplattform.
„Sie haben den Markt zu einem manipulierten Spiel gemacht, in dem (die Herr Schmidts und Frau Müllers) systematisch zugunsten einiger weniger internationaler Großbanken betrogen werden.“ so Denninger.

Marktmanipulation war schon bei Wiedeking (Porsche), Aktionären oder Stromversorgern an der Tagesordnung und es ist tagtägliches Geschäft. Obendrein kommt noch dazu, dass die Pokerbankiers nicht mal ihre eigenes Geld setzen, sondern fremdes Kapital. Es ist kein gesunder, sondern ein kranker Kapitalismus. Langsam wird es Zeit, alle Karten auf den Tisch zu legen, neu zu mischen und nach Regeln zu spielen. Wozu haben wir denn die Politik? Damit Sie zuschaut?

Stellt euch vor, es ist Weltkrieg und die Rüstungsindustrie geht leer aus: So sieht die Wahrheit aus. Der finanzielle Umfang dieses Systemversagens – oder nennen wir es medienangelegt „Krise“ – ist die eines Weltkriegs, nur ohne Tote (bis jetzt). Vorbeiblickend an der Tatsache, dass die jahrzehntelang konstante Zahl von einem verhungerten Kind pro 4 Sekunden auf unserem Planeten seit den letzten drei Jahren auf 3 Sekunden angestiegen ist. Was sind schon 2,5 Millionen tote Kinder mehr pro Jahr? Hauptsache die Reichen werden reicher.

Die wirklich gefährlichen Kriminellen auf dieser Welt erkennt man nicht daran, dass sie im Gefängnis sitzen. Man erkennt sie daran, dass sie reich sind. Das ist die Logik des Kapitalismus: Wer nicht durch und durch kriminell ist, wer nicht bereit ist, ohne zu zögern über Leichen zu gehen, der wird niemals reich. Und umgekehrt.

Irgendwas wird passieren 🙂

Update
US-Kongress beugt sich (erneut) den Göttern der Wall Street
US-Bundesbehörden gegen Morgan Stanley
Wie Rating-Agenturen Staaten ruinieren – 20min.ch

Links
„Bankenelite betrog. Diese Leute sind Gangster.“
Hochfrequenzhandel – schnell und unberechenbar
Heiß umkämpft: Programme zum High-Frequency-Trading – heise.de
Jetzt ist das Ende des Euros beschlossen
Jetzt mal ehrlich -zeit.de
US-Senat für Trennbankensystem
Einbruch an der Börse: Erneute Marktmanipulation durch Goldman Sachs
»Goldman« und die Rettung der freien Märkte
Blog über HTF (englisch)
Stock Traders Find Speed Pays, in Milliseconds
High-Frequency Trading and Crash Risks
High Frequency Trading Programs Ripping Investors Off
High Frequency Trading Is A Scam

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