Reiche Medien – Armselige Demokratie

„Um ├╝berhaupt in einer demokratischen Gesellschaft leben zu k├Ânnen, braucht man einen dynamischen und gesunden Journalismus – der Grundpfeiler in der demokratischen Theorie“

Die meisten Menschen haben ihr Spezialgebiet oder ihre Indoktrinierung einer Berufsrolle, auf dem sie gl├Ąnzen oder nicht, wissen sonst doch aber zu wenig f├╝r ein eigenst├Ąndiges Leben. Sie folgen und brauchen Vorgaben Dritter, meistens durch die Medien, treffen tats├Ąchlich kaum echte eigene Entscheidungen und sind damit streng genommen ungeeignet f├╝r eine Demokratie.

Bild.de ist das beliebteste Informationsportal im deutschen Internet. Das Printmedium „BILD“ hat die gr├Â├čte verkaufte Auflage von 3.547.644 Exemplaren, im Vergleich zu Frankfurt Allgemeine (361.541 Exemplare) und die S├╝ddeutsche (444.658 Exemplaren). „Sie unterh├Ąlt halt sehr gut“, war letztens der Satz eines Mitmenschen. Klar, denn Entertainment ist anscheinend wichtiger und leichter zu verdauen als Infotainment. Weiterer Beweis sind die Einschaltquoten gewisser Verbl├Âdungsshows und Serien beim Fernsehen.

In einer echten Demokratie sollte jede Wahl, jede Entscheidung nach Pr├╝fung aller Fakten getroffen werden. In der Realit├Ąt ist es kaum m├Âglich und erw├╝nscht, alle Fakten zu sichten und diese von Propaganda zu trennen. Es fehlt die Zeit, die Motivation und die F├Ąhigkeit. Wer sieht nicht lieber den knappen Bikini von Michelle Hunziker als die dritte Sitzung des Bundestag mit Guido Westerwelle.

„Wenn wir den Mechanismus des Massendenkens verstehen, ist es jetzt m├Âglich, die Massen, ohne deren Wissen, nach unserem Willen zu kontrollieren und zu steuern“ (Edward Bernays 1928)

Als Vater der Public Relation gilt Edward Bernays, der mit seinem Buch Propaganda von 1928 bis heute die Grundlage f├╝r modernes Kommunikationsmanagement erschuf. Als ein Neffe Sigmund Freuds stellt er in seinem St├╝ck die modernen Seele in den Dienst von Regierungen und Konzerne. Nichts weiter als „Propaganda“, ein Begriff, den Bernays selbst in „Public Relations (PR)“ umbenannte. In dem Buch beschreibt er alle wesentlichen Techniken der Meinungsbeeinflussung, beispielsweise den Einsatz von unabh├Ąngigen und neutralen Experten oder Wissenschaftlern, um eine Aussage glaubhaft erscheinen zu lassen. Viel Spass beim lesen! oderbeim schauen:
Edward Bernays : on Propaganda and Public Relations

Bedenkt man, dass 75% der Werbezeit in den Medien von den weltweit 100 gr├Â├čten Firmen mit rund 400 Milliarden Dollar pro Jahr gekauft werden und sich die Sender somit verpflichten die Interessen der Werber einzubinden und ihr Programm nach den Absichten der Geldgeber ausrichten, f├╝hrt dies zu einer finanziellen Abh├Ąngigkeit und somit zur Unterwerfung der privaten Sender hinsichtlich ihrer Geldgeber und deren Interessen.

Als eine perfekte Hommage an unsere heutige Medienwelt, kann ich auch jedem mal empfehlen den Film „News Movie“ (oder auch „The Onion Movie“) zu schauen. Eine schr├Ąge Tour durch die derzeitige Medienlandschaft, eine satirische und treffende Parodie, die schon 2003 gedreht, aber dann zur├╝ckgehalten wurde. Schaut selbst, viel Spass.

„Menschen wollen angelogen werden, also l├╝gen wir sie an.“ (Cardinal Caraffe zu Papst Paul V)