Randale, Krawalle und Aufstände in England – Chaoten oder Freiheitskämpfer

In der modernen westlichen Welt existiert in der Mittel- und Unterschicht nur ein psychologisches Entweder-Oder Konstrukt der nachwachsenden Generation. Diese Zuspitzung findet zum Einen den Impuls aus der Ausweglosigkeit, Resignation und „Scheißegal-Stimmung“ und zum Anderen die Seite der Extreme, einer Anti-Einstellung erwachsen aus der Informationsflut moderner Medien. Hinzu kommen die Zustände in unserer „Demokratie“ – Die Tatsache das in Europa vielerorts die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter wächst und der Mittelstand bald gänzlich wegzufallen droht.

Korruption, Abzocke und Vertuschung macht der Staat und seine Wirtschaft täglich vor und seine Bewohner machen es nach dem Motto: „Ich werd vom Staat gef***, also f*** ich auch den Staat“ nach. Die nun auferlegten Sparmaßnahmen und die vielen Rettungspakete welche die Menschen zahlen dürfen, für einen Schaden den der kleine Mann nicht zu verschulden hat, das Überangebot an Möglichkeiten von Arbeit über Konsum bis hin zur Freizeit ruft einen Überforderungs- und Lähmungszustand hervor, vor allem wenn alles von horenden Kosten abhängt. Wodurch wurden denn die Einschnitte im Sozialwesen verursacht? Wer sind die eigentlichen Verbrecher? Wo ist das Vorbild, wenn die „Mächtigen“ den Geldwert zerstören, die Umwelt kaputt-wirtschaften, Kriege treiben, Menschen wie Sklaven behandeln, Massenmedien nur Lügen verbreiten, alles nur um den größtmöglichen Profit zu ergaunern und die Gesellschaft zu betrügen?

In London und mittlerweile auch Birmingham finden gewaltätige Krawalle statt. Ständig wird behauptet, es seien dumme Jugendliche, welche Spaß am Randalieren hätten. Meine Meinung dazu sieht etwas anders aus.

Schon wesentlich früher wurden Demonstranten medienwirksam pauschal als Chaoten dargestellt. Selbst bei einer Kundgebung vor tausenden Leuten wird der mediale Fokus eher auf die 200 Randalierer gelegt, die sich mit der Polizei angelegt haben und somit das eigentliche Begehren der demonstrierenden Masse zu diskreditieren. Ich schätze dass dies genau das ist, was die Stimmen anprangern, wenn sie von „Demokratur“ reden, oder die massenmediale Berichterstattung hinterfragen.
Es gibt Gründe warum die Menschen auf die Straße gehen und es ist höchst selten, dass diese Gründe jugendlichem Leichtsinn, Alkoholismus, oder Langeweile entspringen. Dies zu hinterfragen, worin eigentlich diese Gründe liegen, macht niemand. So weist die Politik die Verantwortung weit von sich, es verdreifacht lieber das Polizeiaufgebot und benutzt Schusswaffen mit Gummigeschossen mit dem Echo: „Alles Chaoten, Randalierer, oder Halbstarke, ach gleich alles dreis zusammen.“ Nun überlegt Cameron sogar über einen Einsatz militärischer Truppen. Gewalt schafft doch aber Gegengewalt, oder hat das dem nie einer erzählt?

Nach Art. 2 der Menschenrechtskonvention kann dann folgendes möglich sein:

Art. 2 sichert das Recht jedes Menschen auf Leben und verbietet die absichtliche Tötung. Zwar erlaubt er die Vollstreckung einer gerichtlichen Todesstrafe, durch das 6. bzw. 13. Protokoll zur EMRK hat diese Einschränkung aber kaum noch Bedeutung. Unter bestimmten Bedingungen (z.B. bei Nothilfe, Festnahmen oder der rechtmäßigen Niederschlagung eines Aufstands) ist jedoch nach Art. 2 Abs. 2 auch eine tödliche Gewaltanwendung erlaubt. [Quelle]

Auch wenn Wikipedia verbreitet, dass „Die große Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten (darunter auch Deutschland und Österreich) hat jedoch bereits das 13. Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention vom 3. Mai 2002 ratifiziert, welches die Todesstrafe ausnahmslos sowohl in Friedenszeiten als auch für Kriegszeiten verbietet. [Quelle] “…

…ist der juristische Unterschied zwischen Todesstrafe und Tödlicher Gewaltanwendung, dass die Todesstrafe nur ein Gericht verhängen kann und nur das. Tödliche Gewaltanwendung aber darf jeder Staatsdiener ausführen. Was ist wohl schlimmer? Aber die EU hat sich sogar schon für diesen Fall abgesichtert und eine Spezialeinheit ins Leben gerufen, die in solchen Fällein einschreitet.

Ich versuche mal einen guten Grund für die Krawalle ins Spiel zu bringen – den Suburbanisierungsprozess, der nicht erst seit heute bekannt ist. Welche Probleme ergeben sich dadurch?

Die Zersiedelung der stadtnahen Bereiche von Großstädten bewirkt, dass die Städte selbst mit der gehobenen Bevölkerungsschicht, Geschäfte und Industrie die besten Steuerzahlen verlieren. Die Großstädte geraten in Finanznot, verschulden sich und kommen den Verpflichtungen von Pflege und Ausbau der Innenstadt nicht mehr nach. Die ärmere Bevölkerung bleibt in der Stadt, besonders Minoritätengruppen, die in ghetto-ähnliche Bezirke abgedrängt werden und sich gegen die Außenwelt abkapseln. Sie besetzen die verlassenen Wohnhäuser der abgewanderten Mittelschicht. Diese nicht gerade für ihre Langelebigkeit bekannte Häuser verkommen schnell und stellen unbezahlbare Kosten für die Eigentümer dar, um sie zu renovieren. Die citynahen Viertel verkommen und wandeln sich zu Slums. Diese Situation bringt Armut, Unzufriedenheit und hoh Kriminalität mit sich, die sich auch zeitweise in Krawallen entläd. Seit den 70igern sind diese Prozesse bekannt.

Nun kommt zu Recht die Frage auf, ob diese Krawalle in England, neben der zuvorherigen Demokratiebewegung in Nordafrika, den Aufständen in Spanien, oder Griechenland, nur den Anfang darstellen und es eventuell übergreift und sich ausweitet?

Auf dem Globus brodelt es ja an allen Ecken und Enden. Wenn der richtige „Zündstoff“ da ist und die Entwicklung für uns dementsprechend weitergeht, könnte man nicht ausschließen, dass die Unruhen auch hier zu Lande zunehmen. Die mediale Massenkonditionierung diesbezüglich ist bereits seit Jahren darauf abgestimmt. Wir wissen von N24 wie die Welt nach den Menschen aussieht, sind bereits im Kino mit Emmerichs Bildern von 2012 vertraut und wissen dank DMAX die Überlebenstechniken, wie man im globalen Chaos als Einzelner oder in der Gruppe überlebt. Diese massenmediale Hetze spiegelt vollkommende Angst des Verlustes in der bildhaften Erschaffung von Wünschen des Konsums durch Werbung und TV Formaten mit Luxus und Dekadenz. Welch Ironie…

Zurück zu den Aufständen In England: Ein Polizist tötete einen Kriminellen, der dummerweise die falsche Hautfarbe hatte. Diese Tatsache nehmen die gescheiterte Migrantenjugend und sozialschwache Trittbrettfahrer zum Anlass um ihren Frust Luft zu machen. Es war in Paris so, es ist in England so und es wird so sein und ist z.T in Deutschland so. „Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“, sagte einst schon Frau Merkel. Aber nicht nur Multikulti ist gescheitert, auch die Politik und vor allem das gierige Finanzwesen. Tiefere Gründe liegen zu dem in Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit, gesellschaftliche Ablehnung, das sind ganz zentrale Gründe für solche Gewaltausbrüche. Nicht ein einzelner, erschossener Mann. [Quelle: Süddeutsche]

Hingegen schreibt die Bild: „Chaoten zünden England an“ und genau so wird das massenspezifisch übermittelt. Doch in England, Frankreich, Spanien, Griechenland, USA etc. pp. wird randaliert, weil es dort eben auch für viele keine Perspektive gibt. Immer nur von jugendliche Idioten zu reden, welche gerade mal Lust an Aggression haben, greift deutlich zu kurz und zeigt wie ignorant wir gegenüber den Problemen vieler Menschen geworden sind.

Wer nichts zu verlieren hat, kann nur gewinnen und nur kämpfen. Was kann den Randalierern denn schlimmstenfalls passieren? Sie können in den Knast kommen. Wo es immerhin regelmäßiges Essen und zumindest ein Dach über dem Kopf gibt. Dinge, die vielen Leuten fehlen. Die Jugendlichen sehen Tag für Tag was schlecht ist an der Gegenwart und Sie wollen, dass es in der Zukunft besser wird. Die meisten jungen Leute wollen die Welt nicht in Brand setzen, sondern sie verändern. Ich frage mich zwar die ganze Zeit, warum diese Aufständischen nicht Banken einreißen und Großkapitalistenhäßer anzünden, aber genau daran sieht man, dass es Ihnen wohlmöglich um etwas ganz Anderes geht. Auch scheint es, dass die Krawalle und Aufstandsstimmung auch in andere Schichten übergreift. Vielleicht erklärt sich dadurch das 100ste Affen Syndrom oder kritische Massetheorie. Wohl möglich ist es nicht nur eine Finanzkrise, die mit dem Sturz von Lehmann Brothers begann, ein paar Jahre brodelte und mittlerweile langsam die Klimax erreicht, sondern eine allumfassende Systemkrise.

Die beiden wichtigsten Wirtschaftszonen der Welt, USA und Europa, sind ins Wanken geraten und gigantisch verschuldet (was auch längst bekannt war), die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Menschen rebellieren, oder randalieren, andere radikalisieren sich. Der politischen Klasse traut kaum noch wer etwas Ernsthaftes zu, gigantische Geldsummen sind in Banken und Wirtschaftsunternehmen geflossen, während der Sozialabbau ständig stieg. Das was wir momentan erleben ist nur der Auftakt zu dem, was noch kommen wird. Dass die Gewalt und Ausschreitungen im Zuge der wachsenden globalen Ungleichheit zunehmen wird war glasklar und längst bekannt. Zu hören und zu lesen bekommt man großteils, dass viele Menschen aus gehobenen Kreisen die Politik der harten Hand fordern. AHA – gehts also da entlang, zudem sieht man wie schön die Industrie bei den neuen Überwachungsmethoden beteiligt ist. Leider hat die Form der harten Hand noch nie die Ursachen für gesellschaftliche Probleme gelöst. Ob das nicht sogar gewollt ist? Denn wann kann man am besten ein neues System installieren? Wenn im Alten Chaos herrscht, denn dann werden die Menschen dem Glauben schenken, der Arbeit und Wohlstand verspricht.

Es herrscht Klassenkampf, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen die den Krieg betreibt, und wir gewinnen.“ Warren Buffett

1 Kommentar

  1. Respekt! Da traut sich endlich mal einer zu sagen was viele denken!

    Wen in Libyen das Volk das System ändern will wird es unterstützt, aber wenn es im eigenen Land dazu kommt wird die Revolte niedergeschlagen. Und ich bin mir sicher keine der grossen Medien wird sich trauen so was auszusprechen.

    Die Politik, die England betreibt, wird in Deutschland ebenfalls betrieben nur langsamer und schleichender.

    „Menschen aller Länder, erhebet euch. Wären wir uns unserer Macht bewusst, könnten die paar Wichte über unseren Köpfen einpacken gehen. In George Orwell würden sich die Proles nie erheben, weil es das System nicht vorsieht. Wie siehts hier aus?“
    Quelle : http://franchiseeverybody.blogspot.com/2010/05/zitate-aus-george-orwell-1984.html

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