Musik und der menschliche Geist

musik191997 fĂŒhrte der 16-jĂ€hrige SchĂŒler David Merrell aus Virginia mehrere Experimente durch, wie Musik auf das Verhalten von MĂ€usen wirkt. Aus einem Labor besorgte er sich 72 MĂ€use, alle mĂ€nnlich, gleich jung und gleich schwer. Sie erhielten das gleiche Futter, die gleiche Menge an Licht und jede Maus einen gleich großen KĂ€fig. Nach einer Woche Eingewöhnungszeit, ließ er jedes Tier dreimal hintereinander durch ein Labyrinth von 1,5 mal einem Meter GrĂ¶ĂŸe irren und nahm mit einer Stoppuhr die Zeit. Durschnittlich brauchten die Nagetiere zehn Minuten um ans Ziel zu gelangen.

Danach teilte er die MĂ€use in 3 Gruppen zu je 24 Tieren auf. Eine Gruppe wurde fĂŒr drei Wochen jeden Tag zehn Stunden lang der klassischen Musik von Mozart ausgesetzt, die zweite Gruppe wurde ebenso lang mit Heavy-Metal-Musik (Anthrax) beschallt und die Kontrollgruppe bekam nur Stille zu hören. Der LautstĂ€rkepegel betrug siebzig Dezibel, was die LautstĂ€rke eines Staubsaugers entspricht.

Nach jeder vergangenen Woche wurden alle MĂ€use dreimal hintereinander durchs Labyrinth geschickt und ihre benötigte Zeit gestoppt. Im Laufe der Zeit sollten sich die MĂ€use teilweise den Weg durch den Irrgarten intuitiv gemerkt haben. Im letzten Lauf benötigten die „unbeschallten“ MĂ€use demnach nur noch 5 Minuten anstatt 10. PhĂ€nomenal die Leistung der mit MozartmĂ€use, sie bewĂ€ltigten das Labyrinth in nur 1 1/2 Minuten. Die Heavy Metal MĂ€use waren ausgesprochen tollpatschig, torkelten in Form eines irischen Pubbesuchers durchs Labyrinth und ihre Durchschnittszeit betrug 30 Minuten, somit brauchten sie 20mal lĂ€nger als die „Mozart-MĂ€use“. Auch VerhaltensĂ€nderungen war zu merken, da „Metal-MĂ€use“ kein einziges Mal die Nase in die Luft hoben um Geruchsspuren wahrzunehmenn. „Die Musik schien ihre Sinne völlig abgestumpft zu haben“, erzĂ€hlte David spĂ€ter.

Vorherige Versuche endeten sogar tragisch, da David den Fehler machte und die jeweilige Gruppe von MĂ€usen in einem großen KĂ€fig hielt. Die mit Heavy Metal beschallten MĂ€use bissen sich tod, nach dem Motto der StĂ€rkere gewinnt. Dieses Verhalten hielt sogar an, als er Ihnen sogar eine Woche Beruhigungszeit gab. Sobald die MĂ€use aus der Hardrock Gruppe zusammen in einem KĂ€fig waren, fingen sie wieder zu kĂ€mpfen an. Ganz offensichtlich schwĂ€cht harte, aggressive Musik nicht nur die LernfĂ€higkeit, sondern stört auch das soziale Verhalten von MĂ€usen, dabei waren alle diese Tiere vorher sozial unauffĂ€llig. Schon sehr verwunderlich, allein weil sie nicht einmal verstehen, was denn der schreiende RocksĂ€nger von sich gibt. FĂŒr diese Experimente wurde er mit diversen Auszeichnungen, unter anderem von der US-Marine und vom CIA geehrt.

Ich hĂ€tte da mal ein Experiment fĂŒr alle die sich mit dem Auto und Fahrrad fortbewegen. Probiert doch mal aus, wie ihr euch im Strassenverkehr einmal mit ruhiger Musik und mal mit schneller, geladener, aggressiver Musik fortbewegt. (einfach mal öfter ausprobieren und garnicht weiter drĂŒber nachdenken) Ich versprech euch, der Fahrstil wird sich Ă€ndern. Auch die Kaufhausmusik versucht immer so angenehm wie möglich zu sein. Es gab mal ein Experiment in einem Kaufhaus, in dem man unter die Musik Worte wie „du sollst nicht stehlen“ oder „kaufe möglichst viel“ legte. Die Diebstahlrate ging drastisch zurĂŒck und der Umsatz stieg. Sollte das nicht zum nachdenken anregen.

Schon vor Jahrzehnten hat man Studien dazu betrieben, wie man mittels Musik Menschen abstumpfen und fremden EinflĂŒssen gegenĂŒber gefĂŒgig machen kann. Ach was Rede ich, die Macht der Musik geht von den indischen Veden, die sich schon mit Musik und die Wirkung auf den Menschen befassten, ĂŒber die Griechen, die schon Tonarten gegen psychische Erkrankungen einsetzten, bis hin zu den Israeliten, die die Mauern von Jericho mit ihren Posaunen zu Fall brachten.

„Rhythmus gibt Sicherheit, und Lieder sowie Reime, die dem Herzschlag oder dem Schrittempo entsprechen, tragen bereits schon den Keim des Erfolges in sich. Das weiß man in der Hitindustrie ebenso wie im MilitĂ€r, wenn die Soldaten in einheitlichem Schritt mit Marschmusik stimuliert werden und sich der Drang nach Sieg ins Bewußtsein senkt.“ (Quelle: Zeitenschrift „Rhythmus, der Pulsschlag des Lebens“)

1937 begann das Radio Research Project, welches die Rockefeller-Stiftung an der amerikanischen Elite-UniversitĂ€t Princeton unterstĂŒzte. Unter der Leitung von Paul Lazarsfeld sollten psychologische Studien ĂŒber eine Massenkultur erhoben werden, welche sich der Wirkung von Radio und Kinofilmen annahm. Man wollte unter Anderem herausfinden, wie man Menschen mittels Musik manipulieren kann.

Man staune, dass ein Theodor Adorno die Abteilung Musik in diesem Projekt leitete. Er untersuchte wie banale Musik den Zuhörer beeinflußt. Er kam zu dem Schluss, dass man Menschen durch stĂ€ndige Wiederholung eingĂ€ngiger Melodien (OhrwĂŒrmer) selbst von trivialsten Liedern abhĂ€ngig machen. Warum lĂ€uft wohl der Renner so hĂ€ufig im Radio und in den Musiksendern, dass man schon sein Essen zurĂŒckhalten muss. Eine regelrechte Sucht wĂŒrde sich entwickeln, welche auch der deutsche Neurophysiologe Lutz JĂ€ncke bestĂ€tigte: „Wir mögen, was wir hĂ€ufig hören.“ Dieser Effekt ist in der Psychologie als der „Mere Exposure – Effekt“ bekannt.

Allein der Aufbau der heutigen Popmusik ist sowas von eintönig, unkreativ und gleicht eher einem monotonen, immer wiederkehrenden, standardisierten Leitmotiv – aber sowas brauchen die Arbeiter am Band und die Systemsklaven in der Industriemaschine. Vom Wortschatz der Pop- und HipHop Kultur mal abgesehen. „…man bilde damit sowohl einen unterwĂŒrfigen als auch einen emotionalen Menschentyp heran. Den einen mache die Trivialmusik desillusioniert, den anderen drĂ€nge sie in die Frustration ab. Außerdem habe aufsĂ€ssige, wilde Musik, das Potential die Gesellschaft zu destabilisieren.“, schrieb Adorno schon 1941.

Auch ein tolles Beispiel zeigt der japanische Forscher Masaru Emoto. Er besschallte destilliertes Wasser mit verschiedener Musik, ließ es gefrieren und fotografierte anschließend die entstandenen Wasserkristalle. Die Ergebnisse sind verblĂŒffend.

Musik weckt Erinnerungen, löst Sehnsucht und Melancholie aus – und erregt das Gehirn Ă€hnlich wie Sex. Musik ist fast schon zu komplex, um ihre Wirkung physikalisch zu erfassen. So auch Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks in einem Interview: „Wir sind eher zu einer Nation von Zombies geworden. Ich glaube nicht, dass die Zahl der Musikfreunde oder die WertschĂ€tzung von Musik zugenommen hat. Wobei das Angebot heutzutage unglaublich ist. In einer Woche kann man mehr Musik hören als jemand im 15. Jahrhundert in seinem ganzen Leben. Es ist wie ein endloses Bankett, an dem man sich ĂŒberfrisst, sofern man sich nicht mĂ€ĂŸigt.“