Hirnforschung erklärt die Finanzkrise

bildschirm Die Welt der Flachbildschirme fördert unsere Intelligenz, aber sie führt auch dazu, dass wir uns von der Realität entfernen. Folglich steigt die Bereitschaft zum Risiko.

„Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Nutzung von Computern und der Finanzkrise“, so die britische Hirnforscherin Susan Greenfield, die in Oxfort forscht, lehrt und 29 Ehrendoktortitel inne hat.

„Man kann durchaus sagen, dass die Menschen heutzutage in zwei Dimensionen leben – den Dimensionen der Flachbildschirme. (Mittlerweile 6 bis 8 Stunden täglich) …“

„Der Intelligenzquotient der Menschen insgesamt hat sich dadurch verbessert. Man muss Muster und Strukturen schnell erkennen und interpretieren. Man nutzt das Gehirn vielmehr in einer recht abstrakten Weise. Der Zugang zu Informationen ist heute sehr viel schneller möglich als früher. …“

„…Doch Informationen sind noch kein Wissen. Die junge Generation der Banker ist mit dem Computer aufgewachsen. Das hat ihre Psyche geprägt und lässt sie sehr viel bereitwilliger große Risiken eingehen. In der zweidimensionalen Welt hat das eigene Tun ja keine langfristigen Konsequenzen. Wenn ich bei Second Life als Avatar vom Baum falle, dann hat das für mich nicht wirklich ernste Folgen. Wenn ich im richtigen, dreidimensionalen Leben vom Baum falle, ist das offensichtlich eine ganz andere Sache. …“

„In der zweidimensionalen Welt ist es jederzeit möglich, das Gehirn in diesen kindlichen Modus zu versetzen. Man lebt da nur im Moment, erlebt starke Emotionen und sucht den Thrill. Das führt zur Ausschüttung bestimmter Stoffe im Gehirn. Die Rationalität wird dabei gleichsam weggefegt. …“

„Investmentbanker arbeiten vor einem Bildschirm, und das Ganze ist für sie wie ein Computerspiel. Doch im richtigen Leben gibt es im Gegensatz zum Spiel so etwas wie Unumkehrbarkeit. …“

„Man kann schon heute sehen, dass die Menschen intelligenter werden, besitzen aber weniger Empathie, sind rücksichtsloser, waghalsiger, schnelllebiger. Die schlechte Nachricht ist, dass sie diese Intelligenz nicht nutzen – und dass es um die sozialen Fähigkeiten schlecht bestellt sein wird. Man kann bereits beobachten, dass manche lieber per Display kommunizieren, als anderen tatsächlich im realen Leben zu begegnen. …“

„Menschen werden immer mehr Zeit vor einem Bildschirm verbringen. Dort findet ihr Leben statt. Die Intensität und Häufigkeit sozialer Kontakte geht zurück. Wir haben es dann mit einer Gesellschaft zu tun, in der das Individuum zwar eine Menge Glücksgefühle erlebt, aber letztlich keinen tieferen Sinn mehr erfährt.“

Aus einen Interview mit der Welt Online – vollständiger Artikel

1 Kommentar

  1. natürlich man wird zwar schlauer dadurch dass man vorm Flachbildschirm sitzt, und man geht auch viel lieber in der zweidimensionalen Welt risiken ein. Der second life vergleich ist sehr zutreffend…bloß hat es sehr wohl für nen Banker eine dreidimensionale Auswirkung, wenn er zu hohe Risiken in der zweidimensionalen Welt eingeht und sich verkalkuliert 😉
    Die Krise wurde doch nicht nur von allzu gierigen Bankern hervorgerufen, sondern auch durch allzu gierige kunden, die dachten Sie könnten mit null risiko, riesen gewinne machen. Wenn man sowas glaubt, ist man doch selbst schuld!
    Und wieso werden soziale Kontakte vernachlässigt? Ist nich genau das Gegenteilige durch social networks zubeobachten?
    Nun kann man auch täglich seine sozialen Kontakte pflegen, obwohl die andere Person vielleicht auf der anderen Halbkugel lebt.
    Warum wird immer davon ausgegangen, dass man heutzutage allgemein jegliches übers Netz klärt?

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