Facebook ? Brauch ich nicht – ein Kommentar

Nein, FB nutze ich nicht. Ich brauche das nicht, es gibt mir keinen
Mehrwert, stellt aber ein pers├Ânliches Risiko dar. Von daher: nein,
danke.

Aber das hei├čt nat├╝rlich nicht, dass ich v├Âllig unbekannt in sozialen
Netzwerken bin: es gibt ja immernoch StudiVZ (kein Mitglied), SPIN
(ehem. Mitglied) und co, und gewisse Effekte sind mit Sicherheit
├Ąhnlich. Auch das Gef├╝hl der Unzufriedenheit d├╝rfte ├Ąhnliche Ursachen
haben.

Richtig „mies“ f├╝hlte ich mich immer dann, wenn man wegen irgendeines
dummen Streites „Freunde“ verloren hat oder sich „Feinde“ gemacht
hat. Eine vom Mainstream unabh├Ąngige Meinung kann da schon
ausreichend sein. Und FB kommt ja mit jeder Menge Gruppen, in der
eine von der in der Gruppe vertretene Meinung abweichende Denkweise
schnell zu Gef├╝hlswallungen f├╝hren kann.
Auch abtr├Ąglich der Laune sind K├Ârbe – ein nicht gerade kleiner Teil
der Mitglieder in Social Networks sucht auch nix anderes, als eine
schnelle Nummer. Und wenn dann die Vergleiche laufen, das eigene
Unverm├Âgen vs den scheinbaren Erfolg anderer, dann tr├Ągt das auch
nicht bei, die Laune zu verbessern.

├ťbrigens, das ist der Kernpunkt jeder Unzufriedenheit: der offen
ausgetragene Wettbewerb des Erfolgs. „Mein Haus, meine Yacht, meine
Frau“ – der Angeberei wird ganz offen gefr├Âhnt. Dazwischen noch
ausgiebige Plauderei des eigenen perfekten Lebensstils (etwa, wenn
man endlich vollst├Ąndig vegan lebt in einem klimaneutralen Haus). Und
wenn’s nicht so l├Ąuft, jammert man halt rum, wie schlecht die Welt
ist und hofft auf Beileidsbekundungen. Gerade letzteres betreibt eine
ehem. Freundin meiner Verlobten mit einer Energie, die zweifelsohne
an der richtigen Stelle eingesetzt manche ihrer Probleme l├Âsen w├╝rde.
Nur: dazu m├╝sste man was tun. Rumhocken und jammern und bemitleiden
lassen kostet halt offenbar weniger Anstrengung, als was dagegen zu
tun.

Und weil das so ist, weil ich in den zwei, drei Jahren, in denen ich
aktiv in Social Networks abgehangen habe, hab ich’s auch irgendwann
aufgegeben. Ich bin raus, schau auch nicht mehr sparodisch rein. Und:
es fehlt mir nichts. Echte Freunde habe ich nicht gefunden, daf├╝r
jede Menge „Bekannte“, von denen ich einige ein paar mal live gesehen
habe. Und ob’s mir besser geht? Auf jeden Fall, denn weder muss ich
mir die Probleme anderer antun, noch die eigenen irgendjemand
mitteilen. Denn letztendlich – helfen kann dir niemand, au├čer du
selbst, und von Mitleid kannst du dir nichts kaufen.

In dem Sinn: Social Networks? Wozu?

Wenn ich mich austauschen will, gehe ich in das passende Forum und
tausche mich da mit Gleichgesinnten aus. Und seltsamerweise ist es da
einiges einfacher, Freunde zu finden, als in den Social Networks.
Wom├Âglich, weil man da auf die Angeberei verzichtet, nicht jeden Furz
in den Status postet und die Mitmenschen nicht mit dem eigenen
Unverm├Âgen belastet.

Tja.
Ich brauch das alles net mehr. Wobei – ein „Social Network“ habe ich
dann doch: das „reale Leben“. Mit weniger Angeberei und Problemen der
Mitmenschen.