afrikaBill Gates rührte unter riesigen Medieninteresse die Marketingtrommel. Er kämpft nun nicht nur gegen Marktanteile, sondern auch gegen die Infektionskrankheit Malaria. Er will sie sogar bis zu seinem Tode bekämpfen und ausgerottet wissen, sonst kann er nicht ins Grab. Zusammen mit seiner Frau Melinda Gates haben Sie die größte Stiftung der Welt gegründet. 60 Milliarden Dollar werden für die Forschung der Krankheit Malaria investiert. Forschung an neuen Impfstoffen, Insektiziden und Pestiziden sollen damit finanziell unterstützt werden.

Hach…, der Bill Gates ist schon ein humaner Mensch, der auf Technologie und Innovation setzt. Sein Engagement ist inzwischen so riesig, dass man fast von einem “Gesundheitskartell” sprechen könnte. Nur logisch, dass die Vergabe des Geldes durch dieses Kartell mit Forderungen verbunden ist.

David Brandling-Bennett, Vorstandsvorsitzender der Gates Stiftung tönt:

“Ich finde, wir vom privaten Sektor bringen mit unserem Geld auch entscheidend neue Argumente in die Gesundheitsdebatte. …Der private Sektor will die Rückführung von Investitionen und deshalb stellt sich automatisch die Frage, wie man erfolgreich agiert. …Für uns ist deshalb Malaria eine Krankheit, die eine sehr attraktive Investition darstellt.”

Wie wir alle Wissen, ist mit Gesundheit viel viel Geld zu machen…Außen Hui innen Pfui!

Investmentberater Paul Hawken: “Das Stiftungsdilemma ist bisher kaum bekannt, wie ein “schmutzige Geheimnis” vieler Stiftungen. Aus Steuergründen müssen sie jährlich mindestens 5 Prozent ihres Vermögens gemäß des Stiftungszwecks ausgeben. Wie sie aber die Vermögensmasse anlegen und vermehren, bleibt ganz ihnen überlassen. Manche orientieren sich dabei lieber an Rendite als an Ethik. So sind viele Stiftungen von Natur aus Zwitterwesen: nach außen spendable Wohltäter, innen indes clevere Anleger, die auch vor “bösen” Ölkonzernen oder Pharmakonglomeraten nicht halt machen.”

Die Gates Foundation gibt wie üblich jährlich eine Summe von 5% ihres Gesamt-Guthabens an karitative Zwecke und zur Verbesserung der Welt aus. Die Finanzierung der Stiftungsprogramme ist angelegt in diversifizierten Portfolios, dessen Rendite Gutes erreichen soll! Nachdem man die Investments entwirrte, stellte man fest, dass “Hunderte” davon in Firmen liegen, “die den gemeinnützigen Zwecken oder sozialbewussten Zielen der Stiftung widersprechen”. Gates-Anlagen (8,7 Milliarden Dollar) sind daher ethisch fragwürdig. Man sprach von “blind-eye-investment”. Nun möchte die Gates-Stiftung auch genmanipuliertes Saatgut in Afrika verbreiten.

In Afrika sterben Millionen Menschen jedes Jahr an Malaria, 200 Millionen Menschen werden jedes Jahr mit dieser Krankheit angesteckt. Malaria wird zum Beispiel durch Moskitos übertragen. Stimmt, Moskitonetze! Doch die kosten Geld, später mehr dazu. Bill Gates tönt in seinen Vortrag: “Heutzutage wird mehr Geld in Mitteln gegen Haarausfall investiert, als zur Erforschung und Bekämpfung von Malaria.” Ist schon eine schreckliche Sache so eine Glatze, viele reiche, ältere, einflussstarke und gestresste Männer sind besonders stark betroffen (auch wenn es an den Genen liegt), da muss man halt Prioritäten setzen.

Das soll nun geändert werden. Bill Gates möchte eine Wunderwaffe gegen Infektionskrankheiten hervorbringen. Die Programme, die sich auf jeweils eine einzige Krankheit konzentrieren, nennt man „vertikale Programme“. Vertikale Programme beziehen sich nur einseitig auf einen kleinen Punkt des Feldes/Marktes. Wegen dem geringem Spektrum solcher Forschungen, schränken Geldgeber gern mal staatliche Hilfen für Gesundheitsfürsorge in Ländern der 3. Welt ein, denn sie scheinen nicht lukrativ genug. Für solche Programme sind dann private Gesundheitsstiftungen zuständig und arbeiten meist mit dem Global Fund zusammen.

Der Global Fund ist ein weltweit agierenden Fonds. Er wurde im Jahr 2000 von einem G8 Gipfel initiiert und wird hauptsächlich von den USA finanziert. Der Global Fund, mit Hauptsitz in Genf, stellt die größte Seuchenbekämpfungsvereinigung mit den größten finanziellen Kapital dar. Ihr Handlungsspektrum bezieht sich ausschließlich auf die Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose.

Sir Richard Feachem, bis 2006 noch Leiter des Global Funds und Professor of Global Health, versteht sich als Architekt einer neuen “gesunden Weltordnung“. Der neue Leiter ist Dr. Michel Kazatchkine, über den man nicht viel findet, aber er scheint ein Befürworter vom Chemie-und Pharmakonzern Novartis zu sein. Jedenfalls ist das ein Gewerbe, was äußerst schnell wächst. Der Global Fund hat in den ersten 7 Jahren seines Bestehens 20 Milliarden Dollar aufgetrieben und eingenommen. Weder ein privates Unternehmen noch eine öffentliche Institution konnten noch nie auf so kurzer Sicht eine solche Flut an Geldströmen generieren. Nun sind Sie dabei der WHO private Konkurenz zu machen. Der Global Fund vergibt rund 50% des Geldes an private Firmen. (weiterlesen “Der Rückzug des UN Global Fund aus Burma” PDF)

Was bedeutet nun Erfolg in der medizinischen Versorgung von Menschen? Zählen am Ende die Millionen verkauften Medikamente und Moskitonetze, oder die höhere Lebenserwartung? Ob ein Kind an Unterernährung oder an Malaria stirbt macht im Grunde keinen Unterschied! Die Messlatte des Global Funds sind in der Tat die verteilten Medikamente und Moskitonetze.

Derzeitige Ergebnisse der Behandlungen sind dann auch eher mangelhaft. Die wissenschaftlichen Protokolle lassen dann Sätze verlauten wie:
“Ein Drittel der Malaria-Patienten, die an diesen Medikamenten-Programmen teilnehmen sind nach der ersten Behandlung verloren gegangen.“
Sie sind einfach verschwunden?! Man stellt fest, dass diese Patienten inzwischen an Malaria gestorben sind. “Weitere 25% der Patienten bleiben den Folgebehandlungen fern.” Somit sind mehr als die Hälfte der Rezipienten gestorben! Was würde wohl in Deutschland passieren, wenn die Hälfte aller Menschen nach Beginn eines nationalen Behandlungsprogramms sterben würde? Die 3te Welt scheint dann eher “Versuchkaninchen” zu sein, oder ist das gewollt?

Ein vertikales Programm und Wundermittel der Pharmaküche sollen die Gesundheitsstatistik 3ter Welt Länder verbessern? Den Ländern fehlt vielmehr! Von Krankenhauspersonal (5MIO Dollar pro Land für die Ausbildung von Personal würde mehr helfen) bis Grundnahrungsmittel (90% leben von Kleinbauernschaft unterworfen von Dürreperioden und Überflutungen) und eine vernünftiges Gesundheitswesen. Das wird langsam erkannt und der Gesundheitssektor in Afrika soll privatisiert werden. Die staatlichen Instutionen werden somit nicht gefördert. In einer Umfrage in 15 Staaten im Süden Afrikas zeigt, nur 3 Prozent der Bevölkerung können sich die Behandlung in privaten Kliniken leisten, 51 Prozent der Menschen haben überhaupt keinen Zugang zu medizinischer Hilfe. Zudem die privaten Kliniken auch gern mal kostenintensivere Methoden als nötig verschreiben.

Weltweit würden 95 Milliarden eine gesunde Ernährung für jeden sichern und 40 Milliarden würden jedem Menschen eine Ausbildung und ärztliche Versorgung garantieren, doch da ist die Rüstungsindustrie lukrativer.

In afrikanischen Lagerhallen verstauben tausende Kisten von pharmazeutischen Wunderpillen, Wasserreinigungstabletten, Moskitonetze und Kondome. Als gewinnbringendes Geschäft in Industrieländern produziert und teuer an Afrika verkauft, wo es sich keiner mehr leisten kann. Der Schwarzmarkt mit wirkungslosen, oft abgelaufenden, aber äußerst gefährlichen Mitteln boomt.

Stephanie Nolen: “Man geht davon aus, dass seit den sechziger Jahren 500 Milliarden Dollar als Hilfe nach Afrika geflossen sind, aber was heißt das? In den Jahren des Kalten Krieges wurden davon Waffen gekauft, oder das Geld verschwand auf den Konten dubioser Staatschefs. Die Weltbank hat nicht danach gefragt, was mit diesem Geld passiert ist. Ohne Frage gibt es Korruption, und es wird auch viel Geld verschwendet. In Afrika wie überall sonst.”

Agierende Gesundheitsorganisationen wie die “Global Health Group” werden unter anderem auch von der Bill und Melinda Gates Stiftung, der Bertelsmann Stiftung und dem Ölkonzern Exxon Mobile mit Millionen unterstützt. Verschwiegen wird, dass die Gesundheitskonzerne sich das unübersehbare Risiko in Afrika zu investieren, meistens von staatlicher Seite durch Kredite absichern lassen und ohne gesicherte Gewinnerwartung niemand in Afrika investiert. Keine Hilfe – ein Geschäft!

Links
Das Ende von Afrikas Hunger – von Raj Patel, Eric Holt-Gimenez & Annie Shattuck PDF
Zur Rolle von Stiftungen & anderen ‘gemeinnützigen’ AkteurInnen bei der Modernisierung kapitalistischer Herrschaftsverhältnisse
Westafrika Blog
Stoppt den Pharma-Völkermord in Afrika
Befreit Afrika!
“Das Geschäft mit der Panik – AIDS in Afrika” von Rian Malan
“Krankheit und Konstrukt: Aids-Politiken in Afrika” – von Alexis Jeremias
Bill & Melindas schmutzige Milliarden – blogs.taz.de
SPIEGEL promotet den Pharma- und Monsanto-Lobbyisten Bill Gates – spiegelblog.net

Ein Gedanke zu “Die Bill Gates Stiftung und die Pharmaindustrie in Afrika”
  1. […] Die Gates Foundation gibt wie üblich jährlich eine Summe von 5% ihres Gesamt-Guthabens an karitative Zwecke und zur Verbesserung der Welt aus. Die Finanzierung der Stiftungsprogramme ist angelegt in diversifizierten Portfolios, dessen Rendite Gutes erreichen soll! Nachdem man die Investments entwirrte, stellte man fest, dass “Hunderte” davon in Firmen liegen, “die den gemeinnützigen Zwecken oder sozialbewussten Zielen der Stiftung widersprechen”. Gates-Anlagen (8,7 Milliarden Dollar) sind daher ethisch fragwürdig. Man sprach von “blind-eye-investment”. Nun möchte die Gates-Stiftung auch genmanipuliertes Saatgut in Afrika verbreiten. Ganzen Artikel bei http://www.jungelcamp.de lesen… […]

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