Das Jahrhundert des Selbst – Century of the self

Gerade in den goldenen Zwanzigern trat Konsum in den Mittelpunkt der Menschen in den Industrienationen. Nach der Stagnation aufgrund der damaligen Weltwirtschaftskrise und des zweiten Weltkriegs musste dieser Motor wieder angeschmissen werden, da Konsum das Wasserrad des Kapitalismus und der Industrialisierung darstellte. Seitdem bestimmte die Bedienung von Bedürfnissen den Konsumzwang der Bevölkerung. Was in den USA und England dank Edward Bernays und Ökonomen wie Keynes entwickelt und durchgeführt wurde, sollte auch als Schema F in Deutschland übernommen werden.

Vorerst wurde dank der Industrialisierung die hohe Nachfrage von Produkten bedient, schaut man sich aber die Gegenwart an, werden Bedürfnisse und Wünsche künstlich erschaffen. Hierbei entsteht so zusagen eine künstliche Nachfrage, die mit Hilfe von Werbung, PR und Marketingstrategien verbreitet wird. Somit hat sich das einfache Bedienen von natürlicher Nachfrage, der Erzeugung von künstlichen Bedürfnissen untergeordnet. Natürlich gab es viele Erfindungen die den Menschen technisch entwickelt und weitergebracht haben, doch werden heute eher Träume erschaffen, Lebenstile erfunden und propagandistisch als PR und Marketingstrategien anhand von Massenmedien in die Köpfe der Menschen teleportiert, ohne das sich ein bahnbrechender menschlicher Nutzen (Fortschritt) dahinter verbirgt.

„The Century of the Self“ ist eine BBC-Dokumentation, die einzigartig die massenmediale Beeinflussung und Konditionierung der Menschen in den letzten Jahrzehnten zeigt. Wie Sigmund Freuds Theorien zur Grundlage seines Neffen Edward Bernays wurden, um Propaganda (später dann Public Relations) und die ersten Marketingstrategien zu entwerfen, welche die Werbung und die Politik grundlegend veränderten. In vier Teilen wird zum Einen die Familie Freud und deren Einfluss auf die Politik und Industrie analysiert und aufgezeigt. Zum Anderen wird die Entwicklung der Medien, der Werbung und der Politik von ca. 1910 bis zum Ende des 20 Jahrhunderts demonstriert. Es war Sigmund Freuds Neffe, der die Analyse von unserem Unterbewusstsein in eine Boom-Branche überführte: „PR – Public Relations“

Bernays, in Wien im Jahre 1891 geboren, arbeitete seit Ende des Ersten Weltkriegs als Propagandist für Amerika. Er glaubte, wie sein Onkel, dass der Mensch von seinem irrationalen Wünsche gesteuert ist. Er sah, dass durch die Anwendung der Grundsätze der Psychoanalyse diese Wünsche in großem Umfang für Macht und Profit gesteuert und manipuliert werden können. Bernays war ein Pionier in der Beeinflussung des Unterbewusstseins um Produkte und Ideen zu verkaufen. Wie die Grundsätze der Freudschen Theorie, zunächst durch Bernays, eine tiefgreifende Wirkung auf Unternehmen und Regierungen hatten und direkt zu den neuen allumfassenden Ideen der Marktforschung und Psychoanalyse von Produkten und Ideen führte, wird in dieser Doku umfassend dargestellt.

„Diese Serie zeigt, wie Machthaber die Theorien Freuds verwendet haben, um Kontrolle über die Menschenmenge in einem Zeitalter der Demokratie und des Kapitalismus auszuüben . “ (Adam Curtis – Produzent)

Mit der folgenden ausführlichen Geschichte von Bernays und die in Verbindung stehende Anna Freud, die so viel tat, um ihres Vaters Ideen zu propagieren, untersucht Curtis auf welche Weise eine Idee der modernen Vorstellung, dass unsere Gefühle und Wünsche das Wichtigste über uns sind, den Status einer Religion übernommen haben und die Natur unserer Demokratien grundlegend veränderten. Die Geschäfts- und Politwelt nutzt heute psychologische Techniken um uns zu manipulieren und unsere Wünsche zu erfüllen – kurz: Ihre Produkte oder Reden so angenehm wie möglich für uns zu machen und um uns zu überzeugen. Wie irrationale und primitive Impulse, die wenig offensichtlich auf Fragen außerhalb der Eigeninteressen eines Verbrauchers und der Bevölkerung eingehen, erzeugt werden.

Ein hervorragendes Beispiel für Bernays Fähigkeiten war, dass er mit Hilfe einer PR-Aktion Frauen und Rauchen gesellschaftsfähig machte. Das Bild einer rauchenden Frau wurde somit gesellschaftlich anerkannt, löste eine Welle der Emanzipation aus und die Zigarettenindustrie freute sich. Und das war nur der Anfang, wenn man sich überlegt wie heutzutage PR unseren Alltag bestimmt…

Ein Wall-Street-Banker, der damals in den 30igern für Lehman Brothers arbeite, beschrieb es so:

„Wir müssen Amerika von einer Bedarfs-Verschiebung auf eine Wünsche-Kultur manipulieren. Die Menschen müssen auf Wünsche geschult werden, um neue Dinge haben zu wollen, noch bevor die Alten vollständig verbaucht wurden. […] Wünsche müssen Bedürfnisse überschatten.“

http://vimeo.com/61857758

5 Auszeichnungen für die beste Dokumentation, unter Anderem die Auszeichnung „historischer Film des Jahres“. Ein absolutes “must-see” für jeden, der sich dafür interessiert wie man täglich im großen Stil Manipuliert wird, um mehr zu kaufen oder bestimmte Personen zu wählen.

BBC zu der Dokumentationsreihe:

„Für viele in Politik und Wirtschaft ist der Triumph des Selbst der höchste Ausdruck der Demokratie, in der sich die Macht endlich zu den Menschen hin bewegt hat. Gewiß, die Leute können das Gefühl haben, dass sie selbst verantwortlich sind, aber sind sie es wirklich? Das Jahrhundert des Selbst erzählt die unermessliche und manchmal kontroverse Geschichte des Wachstums der Massenkonsumgesellschaft in Großbritannien und den Vereinigten Staaten . Wie war das „Allesverzehrende Selbst“ konditioniert, von Wem und in wessen Interesse?“

Hierzu kann ich wiedermal nur das Buch von Edward Bernays „Propaganda“ empfehlen. Hier ist eine sehr interessante Zusammenstellung zu finden. (englisch)

Schon im ersten Kapitel des Buches „Propaganda“ lautet es:

„Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie: Wenn viele Menschen möglichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich.

Die unsichtbaren Herrscher kennen sich auch untereinander meist nicht mit Namen. Die Mitglieder des Schattenkabinetts regieren uns wegen ihrer angeborenen Führungsqualitäten, ihrer Fähigkeit, der Gesellschaft dringend benötigte Impulse zu geben, und aufgrund der Schlüsselpositionen, die sie in der Gesellschaft einnehmen. Ob es uns gefällt oder nicht, Tatsache ist, dass wir in fast allen Aspekten des täglichen Lebens, ob in Wirtschaft oder Politik, unserem Sozialverhalten oder unseren ethischen Einstellungen, von einer (angesichts von 120 Millionen US-Bürgern) relativ kleinen Gruppe Menschen abhängig sind, die die meisten Abläufe und gesellschaftlichen Dynamiken von Massen verstehen. Sie steuern die öffentliche Meinung, stärken alte gesellschaftliche Kräfte und bedenken neue Wege, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.“

2 Kommentare

  1. Ist ein toller Film, aber die Video-Links sind gebrochen – kannst die Seite vom Netz nehmen, oder den Link korrigieren.

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