Hirnforschung erklärt die Finanzkrise Juni 8th, 2009 | Allgemein, Medien, Wirtschaft | 1 Comment »

bildschirm Die Welt der Flachbildschirme fördert unsere Intelligenz, aber sie führt auch dazu, dass wir uns von der Realität entfernen. Folglich steigt die Bereitschaft zum Risiko.

„Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Nutzung von Computern und der Finanzkrise“, so die britische Hirnforscherin Susan Greenfield, die in Oxfort forscht, lehrt und 29 Ehrendoktortitel inne hat.

„Man kann durchaus sagen, dass die Menschen heutzutage in zwei Dimensionen leben – den Dimensionen der Flachbildschirme. (Mittlerweile 6 bis 8 Stunden täglich) …“

„Der Intelligenzquotient der Menschen insgesamt hat sich dadurch verbessert. Man muss Muster und Strukturen schnell erkennen und interpretieren. Man nutzt das Gehirn vielmehr in einer recht abstrakten Weise. Der Zugang zu Informationen ist heute sehr viel schneller möglich als früher. …“

„…Doch Informationen sind noch kein Wissen. Die junge Generation der Banker ist mit dem Computer aufgewachsen. Das hat ihre Psyche geprägt und lässt sie sehr viel bereitwilliger große Risiken eingehen. In der zweidimensionalen Welt hat das eigene Tun ja keine langfristigen Konsequenzen. Wenn ich bei Second Life als Avatar vom Baum falle, dann hat das für mich nicht wirklich ernste Folgen. Wenn ich im richtigen, dreidimensionalen Leben vom Baum falle, ist das offensichtlich eine ganz andere Sache. …“

„In der zweidimensionalen Welt ist es jederzeit möglich, das Gehirn in diesen kindlichen Modus zu versetzen. Man lebt da nur im Moment, erlebt starke Emotionen und sucht den Thrill. Das führt zur Ausschüttung bestimmter Stoffe im Gehirn. Die Rationalität wird dabei gleichsam weggefegt. …“

„Investmentbanker arbeiten vor einem Bildschirm, und das Ganze ist für sie wie ein Computerspiel. Doch im richtigen Leben gibt es im Gegensatz zum Spiel so etwas wie Unumkehrbarkeit. …“

„Man kann schon heute sehen, dass die Menschen intelligenter werden, besitzen aber weniger Empathie, sind rücksichtsloser, waghalsiger, schnelllebiger. Die schlechte Nachricht ist, dass sie diese Intelligenz nicht nutzen – und dass es um die sozialen Fähigkeiten schlecht bestellt sein wird. Man kann bereits beobachten, dass manche lieber per Display kommunizieren, als anderen tatsächlich im realen Leben zu begegnen. …“

„Menschen werden immer mehr Zeit vor einem Bildschirm verbringen. Dort findet ihr Leben statt. Die Intensität und Häufigkeit sozialer Kontakte geht zurück. Wir haben es dann mit einer Gesellschaft zu tun, in der das Individuum zwar eine Menge Glücksgefühle erlebt, aber letztlich keinen tieferen Sinn mehr erfährt.“

Aus einen Interview mit der Welt Online – vollständiger Artikel

Mediensucht bald anerkannte Krankheit März 23rd, 2009 | Allgemein, Medien | Comments Off

suchtpcIn Deutschland sind mehr als 100.000 Jugendliche durch exzessiven Gebrauch des PCs suchtpotentiell gefährdet und weisen eine Art Suchtgedächtnis, wie es bei Suchtstrukturen von Alkohol- und Cannabisabhängigen vorkommt, auf. Wie man schon vor längeren bei der Handynutzung feststellte, dass diese Einfluss auf das menschliche Gehirn nimmt, hinterlässt exzessiver Gebrauch von Computern tiefe Spuren im Gehirn und den Betreffenden droht der Verlust des Realitätssinns, warnt der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther.

„Ist dieser Prozess weit fortgeschritten, finden sich die Kinder und Jugendlichen in der realen Welt nicht mehr zurecht.“, so Hüther. Neuronale Verbindungen im Gehirn, die sich auf Computernutzung beziehen, würden immer stärker ausgeprägt werden und der Mensch befinde sich in einen Art Suchtzustand. “Mit jeder Stunde, die Kinder vor dem Computer verbrächten, fehle ihnen eine Stunde, um ihr Gehirn für die Anforderungen im wirklichen Leben weiterzuentwickeln“, erklärt der Autor des Buchs „Computersüchtig“. Virtuelle Vorstellungswelten werden von Kindern aufgenommen und verinnerlicht.  „Das Gehirn wird so, wie man es benutzt“, betonte Gerald Hüther.  Auch gerade diese Strukturen werden von Werbestrategien der Hersteller von Computerspielen benutzt um Jugendliche in ihren Bann zu ziehen.  Moderne Computerspiele werden immer umfangreicher und bilden fast schon unendliche, eigenständige Welten in der sich der Spieler vollständig verliert. Natürlich ist jeder Spieler auf der Suche nach Ablenkung vom Alltag, aber wenn dieses Abschalten von der realen Außenwelt in eine selbstlose Fantasie in der man bis zu 6 Stunden am Tag verbringt endet, dann sind selbstverfallende und unsoziale Verhaltensänderungen unumgänglich.

Nach Forschungsergebnissen der Suchtforschung der Berliner Charite kann aus Spielspaß schnell Abhängigkeit entstehen, wenn das Gehirn auf Dauer bestimmten Belohnungsreizen ausgesetzt wird. Die Reize führen zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin im Vorderhirn und führen, wie bei dem Konsum von Drogen, zum ersehnten Glücksgefühl. Folgeerscheinungen wiederholter Belohnungsreize lässt nach Angaben der Wissenschaftler ein so genanntes Suchtgedächtnis bei mehr als jedem zehnten Computerspieler entstehen, abhängig von seinen Bezug zur Realität und der Spielewelt und dem Umgang mit dieser. Die Suchtpotentiellen unter ihnen verlieren die Kontrolle über die Zeit, vernachlässigen Freundschaften, Hobbys oder Schule. Online-Rollenspiele machen dabei abhängiger als andere Spiele.

Im Gegensatz zur Glücksspielsucht ist die Medienabhängigkeit gering erforscht und keine anerkannte Krankheit. Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland sollen schon eine Mediensucht entwickelt haben. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) führt an, dass 9 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland exzessiv am Computer spielen, dass heißt mehr als 4,8 Stunden täglich vor dem Monitor sitzen. Davon weisen 5 Prozent Symptome einer Abhängigkeit auf.  Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unzufriedenheit, Gereiztheit und Aggressivität treten sehr häufig auf. KFN Forscher, wie der Psychologe Florian Rehbein, beweist hierbei, dass Online-Rollenspiele ein höheres Abhängigkeitspotenzial als andere Spiele aufweisen. Bei Online Rollenspielen wie das Paradebeispiel World of Warcraft müsse immens viel Zeit investiert werden, um einen hohen Status zu erreichen oder bestimmte Gegenstände zu erhalten. „Unser Gehirn reagiert dann am stärksten, wenn die Belohnung unerwartet kommt und dann noch besonders groß ausfällt“, erklärt Rehbein. Dieses Konzept bauen die Entwickler bewusst in ihre Rollenspiele ein.

Mediensucht betrifft alle Gesellschafts-und Altersschichten. Besonders gefährdet sind hierbei Kinder und Jugendliche vorwiegend männlichen Geschlechts, die meist Online-Rollenspielen verfallen und dort ihre zweite Persönlichkeit ausleben. Prozentual kämen danach überwiegend Mädchen und Frauen, die im Chat Anerkennung suchen. Auch die Internet-Sex-Sucht ist ein weit verbreitetes Phänomen und komme vor allem bei Männern mittleren Alters vor.

Man fragt sich hierbei, was ist heutzutage denn keine Sucht? Süchte wie Sex, Drogen, Zigaretten, Kaffee, Fernsehen, Computerspiele, Internet, Körperkult usw.  sind dies Ausprägungen unserer schnellebigen und modernen Gesellschaft? Haben die Medien darauf grundlegenden Einfluss, oder ist es nur eine Verlagerung dieser? Verschwinden Werte und Normen? Werden Themen überspitzt dargestellt?  Sollten gerade bei dem Begriff  “Sucht” Themen eher vorsichtig betrachtet werden? Fakt ist, unser Gehirn und unser sozialer Lebensstil werden davon beinflusst. Es sei dahingestellt und eine offene Frage, ob dies positive oder negative Folgen hat.

Ein kleinen Selbsttest zur Computersucht finden Sie -hier-

Ein Interview mit Wolfgang Bergmann, Co-Autor des Buches “Computersucht”, lesen Sie -hier-