Reiche Medien - Armselige Demokratie August 9th, 2010 | Allgemein, Medien, Persönlichkeiten | No Comments »

“Um überhaupt in einer demokratischen Gesellschaft leben zu können, braucht man einen dynamischen und gesunden Journalismus - der Grundpfeiler in der demokratischen Theorie”

Die meisten Menschen haben ihr Spezialgebiet oder ihre Indoktrinierung einer Berufsrolle, auf dem sie glänzen oder nicht, wissen sonst doch aber zu wenig für ein eigenständiges Leben. Sie folgen und brauchen Vorgaben Dritter, meistens durch die Medien, treffen tatsächlich kaum echte eigene Entscheidungen und sind damit streng genommen ungeeignet für eine Demokratie.

Bild.de ist das beliebteste Informationsportal im deutschen Internet. Das Printmedium “BILD” hat die größte verkaufte Auflage von 3.547.644 Exemplaren, im Vergleich zu Frankfurt Allgemeine (361.541 Exemplare) und die Süddeutsche (444.658 Exemplaren). “Sie unterhält halt sehr gut”, war letztens der Satz eines Mitmenschen. Klar, denn Entertainment ist anscheinend wichtiger und leichter zu verdauen als Infotainment. Weiterer Beweis sind die Einschaltquoten gewisser Verblödungsshows und Serien beim Fernsehen.

In einer echten Demokratie sollte jede Wahl, jede Entscheidung nach Prüfung aller Fakten getroffen werden. In der Realität ist es kaum möglich und erwünscht, alle Fakten zu sichten und diese von Propaganda zu trennen. Es fehlt die Zeit, die Motivation und die Fähigkeit. Wer sieht nicht lieber den knappen Bikini von Michelle Hunziker als die dritte Sitzung des Bundestag mit Guido Westerwelle.

“Wenn wir den Mechanismus des Massendenkens verstehen, ist es jetzt möglich, die Massen, ohne deren Wissen, nach unserem Willen zu kontrollieren und zu steuern” (Edward Bernays 1928)

Als Vater der Public Relation gilt Edward Bernays, der mit seinem Buch Propaganda von 1928 bis heute die Grundlage für modernes Kommunikationsmanagement erschuf. Als ein Neffe Sigmund Freuds stellt er in seinem Stück die modernen Seele in den Dienst von Regierungen und Konzerne. Nichts weiter als “Propaganda”, ein Begriff, den Bernays selbst in “Public Relations (PR)” umbenannte. In dem Buch beschreibt er alle wesentlichen Techniken der Meinungsbeeinflussung, beispielsweise den Einsatz von unabhängigen und neutralen Experten oder Wissenschaftlern, um eine Aussage glaubhaft erscheinen zu lassen. Viel Spass beim lesen! oderbeim schauen:
Edward Bernays : on Propaganda and Public Relations

Bedenkt man, dass 75% der Werbezeit in den Medien von den weltweit 100 größten Firmen mit rund 400 Milliarden Dollar pro Jahr gekauft werden und sich die Sender somit verpflichten die Interessen der Werber einzubinden und ihr Programm nach den Absichten der Geldgeber ausrichten, führt dies zu einer finanziellen Abhängigkeit und somit zur Unterwerfung der privaten Sender hinsichtlich ihrer Geldgeber und deren Interessen.

Als eine perfekte Hommage an unsere heutige Medienwelt, kann ich auch jedem mal empfehlen den Film “News Movie” (oder auch “The Onion Movie”) zu schauen. Eine schräge Tour durch die derzeitige Medienlandschaft, eine satirische und treffende Parodie, die schon 2003 gedreht, aber dann zurückgehalten wurde. Schaut selbst, viel Spass.

“Menschen wollen angelogen werden, also lügen wir sie an.” (Cardinal Caraffe zu Papst Paul V)

Dein Fernseher lügt September 22nd, 2009 | Allgemein, Medien | 1 Comment »

tv-kopie1Auch in der Welt der Medien gilt es die aufkommende Nachfrage zu bedienen. Das Angebot, welches daraus resultiert kann sich aber alles andere als sehen lassen. Die “Kulturleistung” des deutschen Fernsehens; warum sie ein Spiegel unserer Nation ist, und was hinter diesem steckt. Das Fernsehprogramm wird von den Quoten bestimmt. Diese Quoten werden vom Marktforschungsinstitut GfK erhoben. Ihr Auftraggeber ist die AGF (Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung) und setzt sich zusammen aus den Sendern ARD, ProSieben, Sat.1 Media AG, Mediengruppe RTL Deutschland und ZDF.

In Deutschland gibt es 35,30 Millionen Fernsehhaushalte. Das entspricht etwa 72,20 Millionen Menschen die Zugriff auf ein Fernsehgerät haben. Es werden aber nur von 5.640 Haushalten die Daten erhoben, die die Quoten und damit das tägliche Programm ausmachen. Das heißt nur ca. 13.000 Personen in diesem Land bestimmen, was wir im Fernsehen zusehen bekommen. Angeblich bildet dieser Teil einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Sind die Quoten ermittelt werden sie Hochgerechnet, was zum Beispiel auch durchaus dazu führt, dass bei Übertragungsstörung, laut der Gfk, 20.000 Menschen ein Testbild angesehen haben ;) Details zum technischen Erhebungsverfahren können auf der Internetseite der AGF eingesehen werden.

Subjektiv betrachtet steckt hinter all diesen Zahlen ein kultureller Skandal, den man allein beim Ansehen des Fernsehprogramms erahnen kann. Das Fernsehen avanciert schon seit langer Zeit immer stärker zur Massenware in der die Werbung und das Programm wie Propaganda aufgebaut sind - Propaganda mit dem Ziel den Menschen zum Konsum anzuregen, sich einem Ideal zu fügen und nicht darüber nach zu denken oder etwas in Frage zu stellen. Die Werbung ist ausgeklügelter als das deutsche Bildungsystem und wesentlich effektiver.

Die Intention des Fernsehprogramms ist dies, dass für jeden individuellen Menschen mit seinen bestimmten Charaktereigenschaften bestimmte Programme geboten werden - ist das ein Vorteil oder Nachteil? Kann sich dadurch jeder Mensch in seiner eigenen Welt verlieren und wird dadurch imun gegen andere Denkweisen, weil er Bestätigung immer und immer wieder in seinen Sendungen findet?

So kennt die Wirtschaft mit ihren kapitalistischen Absichten auch vor einem gesetzten Medium wie dem Fernsehen keinen Halten mehr. Ähnlich wie die Werbung sind auch die Sendungen im Fernsehen eine Ohrfeige für jeden intelligenten Menschen. Die Quoten vom Vortag sind auf der Internetseite www.dwdl.de einzusehen. (Die Tagesschau dümpelt immer zwischen Platz 15 und Platz 20 herum, wenn sie schon mal mit dabei ist.)

Das Fernsehen verkorkst uns wie eine schlechte Mutter, die ihren quängelnden Kindern nur Süßigkeiten zu essen gibt. Fernsehen besitzt ein großes Potenzial Menschen zu erreichen und wichtige Inhalte zu vermitteln. Man sollte es auch so wahrnehmen, als erzieherisches und objektives Medium.

Fernsehen sollte nicht nur unterhalten, sondern auch bildend und ernsthaft sein. Kultur, Kunst und Literatur bilden im Fernsehen eine Randgruppe und haben “Sex & Crime” als Tabu abgelöst. Nur wegen der Quoten und dem damit verbundenen Geld, ist es ist kein Grund ein eigentlich aufklärerisches Medium komplett zu trivialisieren, dem Massenkonsum auszusetzten und damit lauter unkritische, geistlose Spinner heranzüchten.

Dem Quotenthema wurde sich bereits in der Filmbranche angenommen. “Die Quotenmacher” (2000) von Regisseur Christoph Weinert ist eine Mischform aus Dokumentar- und Spielfilm, in dem ein Detektiv der Quotenerhebung auf den Grund geht. Der Film bietet sachliche Informationen, ohne dabei die Kritik an dem Verfahren der Quotenmacherei außer Acht zu lassen.

Eine ganze Utopie bietet hingegen der Spielfilm “Free Rainer - Dein Fernseher lügt” (2007) von Hans Weingartner. Dort wendet sich der erfolgreiche Fernsehproduzent Rainer (Mortiz Bleibtreu) zum Aufklärer. Er schafft es mit anderen durch Quotenmanipulierung den Deutschen ein neues Bewusstsein zu geben, in dem sie anspruchsvolle Inhalte zusehen bekommen und diese auch annehmen.

Die Medien waren schon immer Meinungsmacher und Manipulator. Hierzu muss ein Zitat gebracht werden, von Einem der genau ihre Macht zu nutzen wusste: “Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen, auf die Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre rein geistige Höhe um so tiefer zu stellen sein, je größer die zu erfassende Masse der Menschen sein soll.” (Adolf Hitler)

Fernsehen und dessen Einfluss auf die Entwicklung des Menschen Februar 13th, 2009 | Allgemein, Medien, Recht | 1 Comment »

Fernsehen macht passiv

"Fernsehen macht passiv"

In Bezug auf das Seminar von Dr. Manfred Spitzer „Vorsicht Bildschirm“:
Link

Der Psychiater und Gehirnforscher Dr. Manfred Spitzer, studierte gleichzeitig Medizin, Philosophie und Psychologie und hält Vorlesungen zur derzeitigen medialen Bedrohung.

Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren bedienen sich durchschnittlich 5 1/2 Stunden Bildschirmmedienkonsum täglich.
Aufgrund vieler großangelegter  Studien, in denenbeispielsweise 1000 Kinder von Geburt an beobachtet und in ihrer Phase des Erwachsenwerdens in ihrem Medienkonsumverhalten erfasst, datiert und ausgewertet wurden, vertritt Dr. Spitzer die Ansicht, dass die Dauer des Fernsehkonsums in der Kindheit unter anderem festlegt, wie hoch das Übergewicht im späteren Lebensabschnitt beeinflusst wird .
Statistiken sprechen für sich, desto mehr Fernsehen zwischen 5 und 15 Jahren, umso übergewichtiger sind die Probanden mit 30 Jahren. Ebenso beschreibt er gleiche Tendenzen bei der körperlichen Fitness und dem Cholesterinspiegel. Man raucht, Spitzers Meinung nach, auch mehr Zigaretten, sollte man zwischen 5 und 15 Jahren überdurchschnittlich viel Fernsehen geschaut haben.

Was passiert noch mit Ihnen? Unglaublich ist es, dass Sie mehr Kalorien verbrauchen wenn Sie auf der Couch liegen und nichts tun, als wenn Sie in die Röhre glotzen, da genau dann ihr Körper in eine Art passiven muskulären Modus schaltet.
Man isst ungesunde Sachen zwischendurch und man bewegt sich weniger.
Jetzt werden einige sagen: „Moment mal, sind doch nur Statistiken, dick sein hat was mit Erbanlage zutun.“. Eben nicht! Fernsehen macht passiv…

Studien zeigen ausserdem, dass Fernsehkonsum depressiv und gewalttätig macht, dass exzessives Fernsehen im ersten Lebensjahr zu Aufmerksamkeitsstörrungen mit 7 Jahren führt, dass es mit 5 zu Lesestörrungen mit 8 Jahren führt und vor allem der intensive Fernsehkonsum bis 5 Jahren den Bildungstand mit 30 Jahren beeinflusst.
Abschließend der trockenen auszuwertenden Statistiken schwenkt Dr. Spitzer auf die Hirnforschung um und spielt auf die Störung der Funktionsweise unseres Gehirns durch die flimmernden, idealerzeugenden Bilder des Bildschirms in jedem Wohnzimmer an: bevor man nicht selbst die Funktionsweise seines Gehirns ergründet hat, kann man sich dies nicht im geringsten vorstellen bzw. es richtig verarbeiten. Der Mensch lernt aus Fehlern und eigenen Erfahrungen und nicht aus gestellten Bildern und Situationen.
Hierbei geht es nicht um das Programm im Fernsehen, was nochmal eine ganz andere Betrachtung verlangt, sondern rein um den Medienkonsum und dessen Auswirkung auf das Gehirn und dessen menschlichen Körper.