Mediensucht bald anerkannte Krankheit März 23rd, 2009 | Allgemein, Medien | No Comments »

suchtpcIn Deutschland sind mehr als 100.000 Jugendliche durch exzessiven Gebrauch des PCs suchtpotentiell gefährdet und weisen eine Art Suchtgedächtnis, wie es bei Suchtstrukturen von Alkohol- und Cannabisabhängigen vorkommt, auf. Wie man schon vor längeren bei der Handynutzung feststellte, dass diese Einfluss auf das menschliche Gehirn nimmt, hinterlässt exzessiver Gebrauch von Computern tiefe Spuren im Gehirn und den Betreffenden droht der Verlust des Realitätssinns, warnt der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther.

„Ist dieser Prozess weit fortgeschritten, finden sich die Kinder und Jugendlichen in der realen Welt nicht mehr zurecht.“, so Hüther. Neuronale Verbindungen im Gehirn, die sich auf Computernutzung beziehen, würden immer stärker ausgeprägt werden und der Mensch befinde sich in einen Art Suchtzustand. “Mit jeder Stunde, die Kinder vor dem Computer verbrächten, fehle ihnen eine Stunde, um ihr Gehirn für die Anforderungen im wirklichen Leben weiterzuentwickeln“, erklärt der Autor des Buchs „Computersüchtig“. Virtuelle Vorstellungswelten werden von Kindern aufgenommen und verinnerlicht.  „Das Gehirn wird so, wie man es benutzt“, betonte Gerald Hüther.  Auch gerade diese Strukturen werden von Werbestrategien der Hersteller von Computerspielen benutzt um Jugendliche in ihren Bann zu ziehen.  Moderne Computerspiele werden immer umfangreicher und bilden fast schon unendliche, eigenständige Welten in der sich der Spieler vollständig verliert. Natürlich ist jeder Spieler auf der Suche nach Ablenkung vom Alltag, aber wenn dieses Abschalten von der realen Außenwelt in eine selbstlose Fantasie in der man bis zu 6 Stunden am Tag verbringt endet, dann sind selbstverfallende und unsoziale Verhaltensänderungen unumgänglich.

Nach Forschungsergebnissen der Suchtforschung der Berliner Charite kann aus Spielspaß schnell Abhängigkeit entstehen, wenn das Gehirn auf Dauer bestimmten Belohnungsreizen ausgesetzt wird. Die Reize führen zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin im Vorderhirn und führen, wie bei dem Konsum von Drogen, zum ersehnten Glücksgefühl. Folgeerscheinungen wiederholter Belohnungsreize lässt nach Angaben der Wissenschaftler ein so genanntes Suchtgedächtnis bei mehr als jedem zehnten Computerspieler entstehen, abhängig von seinen Bezug zur Realität und der Spielewelt und dem Umgang mit dieser. Die Suchtpotentiellen unter ihnen verlieren die Kontrolle über die Zeit, vernachlässigen Freundschaften, Hobbys oder Schule. Online-Rollenspiele machen dabei abhängiger als andere Spiele.

Im Gegensatz zur Glücksspielsucht ist die Medienabhängigkeit gering erforscht und keine anerkannte Krankheit. Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland sollen schon eine Mediensucht entwickelt haben. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) führt an, dass 9 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland exzessiv am Computer spielen, dass heißt mehr als 4,8 Stunden täglich vor dem Monitor sitzen. Davon weisen 5 Prozent Symptome einer Abhängigkeit auf.  Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unzufriedenheit, Gereiztheit und Aggressivität treten sehr häufig auf. KFN Forscher, wie der Psychologe Florian Rehbein, beweist hierbei, dass Online-Rollenspiele ein höheres Abhängigkeitspotenzial als andere Spiele aufweisen. Bei Online Rollenspielen wie das Paradebeispiel World of Warcraft müsse immens viel Zeit investiert werden, um einen hohen Status zu erreichen oder bestimmte Gegenstände zu erhalten. „Unser Gehirn reagiert dann am stärksten, wenn die Belohnung unerwartet kommt und dann noch besonders groß ausfällt“, erklärt Rehbein. Dieses Konzept bauen die Entwickler bewusst in ihre Rollenspiele ein.

Mediensucht betrifft alle Gesellschafts-und Altersschichten. Besonders gefährdet sind hierbei Kinder und Jugendliche vorwiegend männlichen Geschlechts, die meist Online-Rollenspielen verfallen und dort ihre zweite Persönlichkeit ausleben. Prozentual kämen danach überwiegend Mädchen und Frauen, die im Chat Anerkennung suchen. Auch die Internet-Sex-Sucht ist ein weit verbreitetes Phänomen und komme vor allem bei Männern mittleren Alters vor.

Man fragt sich hierbei, was ist heutzutage denn keine Sucht? Süchte wie Sex, Drogen, Zigaretten, Kaffee, Fernsehen, Computerspiele, Internet, Körperkult usw.  sind dies Ausprägungen unserer schnellebigen und modernen Gesellschaft? Haben die Medien darauf grundlegenden Einfluss, oder ist es nur eine Verlagerung dieser? Verschwinden Werte und Normen? Werden Themen überspitzt dargestellt?  Sollten gerade bei dem Begriff  “Sucht” Themen eher vorsichtig betrachtet werden? Fakt ist, unser Gehirn und unser sozialer Lebensstil werden davon beinflusst. Es sei dahingestellt und eine offene Frage, ob dies positive oder negative Folgen hat.

Ein kleinen Selbsttest zur Computersucht finden Sie -hier-

Ein Interview mit Wolfgang Bergmann, Co-Autor des Buches “Computersucht”, lesen Sie -hier-

Krautchan - Amoklauf von Winnenden im Internet angekündigt? März 12th, 2009 | Allgemein, Medien | 6 Comments »

Screenshot der Ankündigung

Screenshot der Ankündigung

Gestern bin ich bei Recherchen zum Amoklauf auf eine Seite gestoßen, auf der laut eines Screenshots der Amoklauf von Winnenden schon gegen kurz vor 3 Uhr Nachts im Internet angekündigt wurde (siehe Bild links). Bei weiteren  Recherchen zu dem Beitrag und der Beitragsnummer die der Screenshot zeigt, viel mir auf, dass genannter Beitrag im Nachhinein von den Admins wahrscheinlich gelöscht wurde. Er war zumindest am frühen Abend des 11.3. für mich nicht auffindbar.

Heute dann: auf einer Polizeipressekonferenz wird der im Screenshot gezeigte Beitrag zitiert. Die Seite wurde mittlerweile kurzzeitig vom Netz genommen. Auf der Seite ist seitdem dies zu lesen:

Qualitätsjournalismus

Leider wird unser winziger Server mit dem momentanen Ansturm nicht fertig. Es gibt allerdings auch gar nichts zu sehen, da die deutsche Presse sich bedauerlicherweise (vermutlich nicht zum ersten Mal) von einer Fälschung hat täuschen lassen.

Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können.

Scheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundgütiger.

Quality journalism

Unfortunately, our tiny server can’t handle the current rush. There’s nothing to see anyway, since the German press was unfortunately fooled (and probably not for the first time either) by a forgery.

No killing spree was announced here, there are only people who know how to use Photoshop. Apparently, researching is considered uncool nowadays. It’s bad enough to copy from Wikipedia, but from here? Christ.

Klingt für mich eher unwahrscheinlich, 3 Möglichkeiten gibt es:

1. Die moralisch verwerflichste und bekloppteste “Marketingaktion” eines Seitenbetreibers, denn er hat den Beitrag ja gelöscht und könnte dann theoretisch ein gefälschten Screenshot reingesetzt haben. -> Soetwas traue ich keinem Seitenbetreiber zu und halte ich für sehr unwahrscheinlich.

2. Der Beitrag eines Benutzers wurde vom Admin gelöscht (zu angegebener Zeit),  der Benutzer fühlt sich daraufhin schlecht behandelt und stellt am nächsten Tag einen gefälschten Screenshot mit seiner Beitragsnummer online. Er möchte den Seitenbetreiber schaden. -> Der Benutzer müsste sich vor Löschung die Beitragsnummer gemerkt haben. Eher unwahrscheinlich wenn man nicht von einer Löschung ausgeht.

3. Die Sache war echt.

Welche Fragen tauchen nun auf? Die Tat war eventuell auf einer gut besuchten (in der Szene wohl bekannten) Seite etwa 7 h vorher angekündigt.

Wäre reagieren/verhindern möglich gewesen?

Update: Polizei bestätigt das entsprechende Daten auf dem PC gefunden worden.
Auch der Spiegel greift das Thema mittlerweile auf: Internet Posting vor dem Massaker

2. Screenshot

2. Screenshot

Update 2: Der Betreiber der angesprochen Webseite veröffentlicht einen angeblichen Screenshot des “richtigen” Beitrags (siehe Bild).
Warum wurde allerdings so ein harmloser Beitrag gelöscht?

Update 3: Der Seitenbetreiber versucht weiterhin zu beweisen, dass es keine Amoklaufankündigung auf der Seite gab. Er veröffentlicht Links zum Google Cache, diese sollen beweisen, dass es ein Fake war. Der Google Cache ist wohl mittlerweile für diese Seite gelöscht und zeigt nur noch einen aktuellen Fehler auf der Seite. Die Sache wird geheimnisvoller…

Update 4: Tagesschau 22.30 Uhr (12.3.09): Polizei bezweifelt Echtheit der Internetankündigung. “Erhebliche Zweifel an der Echtheit.”

vorerst letztes Update:: Beitrag war wohl eine Fälschung. Der Originalbeitrag wurde auch, anders als in meinem Beitrag dargestellt, nicht gelöscht. Da die Beiträge dort sehr schnell zwischen den Seiten springen, ist es also sehr wahrscheinlich, dass er von mir nur übersehen wurde.
Betroffene Webseite ist immernoch Offline.

“World of Warcraft” als Computerdroge März 2nd, 2009 | Allgemein, Medien | No Comments »

Hohe Suchtgefahr: Online Rollenspiele

Hohe Suchtgefahr: Online Rollenspiele


Kokain der Computerspielewelt

12 Millionen Menschen spielen derzeit das beliebte Online-Rollenspiel “World of Warcraft“. Das Fantasierollenspiel aus der Computerspielschmiede „Blizzard“ wird nach einen Bericht der schwedischen Jugendsuchtstiftung Ungdomsvård als gefährlichstes Computerspiel bezeichnet. Seit 2007 werden in dieser Jugendsuchtstiftung spielsüchtige Jugendliche betreut.

In diesen noch bisher unveröffentlichten Bericht ragt, nach Meinung von Sven Rollenhaben, ein Mitarbeiters der Stiftung, WoW besonders heraus. “Wir haben mit keinem einzigen Fall von Spielsucht zu tun gehabt, bei dem „World of Warcraft“ nicht eine Rolle gespielt hat.”

Im November 2008 gab es in Schweden einen besonders harten Fall, in dem ein 15-jähriger Junge, aufgrund eines Kollaps, ausgelöst durch Unterernährung, Schlaflosigkeit und 20-stündiger Konzentration auf das Spiel, ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Da Computerspielsucht in Schweden noch nicht als offizielle Sucht bzw. psychische Störung anerkannt ist, kann die Stiftung Ungdomsvård immer nur auf die Gefahren des Onlinespiels WoW hinweisen und warnen.
Zusätzlich weisen auch andere angelegte Studien auf die suchtpotentielle Gefährdung von Jugendlichen durch Internetnutzung und Online-Rollenspiele hin.

Auf der Internetseite der schwedischen Jugendsuchtstiftung spelfritt.se können Eltern oder auch selbstbetroffenen Jugendliche Rat einholen.  Auch in Deutschland können Sie sich an verschiedene Einrichtungen für Suchterkrankungen wenden.